Postkartenaktion

24.11.2017 20:00 von Admin

Verbindungen aus dem Briefkasten

Schüler schicken Postkarten in alle Welt

Wer zur Waldorfschule geht, muss sich rechtfertigen. Manchmal steht die Frage im Raum, ob es nicht auch für eine richtige Schule gereicht hätte. Dann folgt die Aufforderung, doch bitte den eigenen Namen zu tanzen. Mitunter fühlen sich die Waldorfschüler deshalb unverstanden. Und einsam. Anlässlich des 100. Jahrestages der ersten Waldorfschule im Jahr 2019 erinnern die Schulen auch deshalb schon in diesen Tagen daran, dass sie eigentlich ganz schön viele sind. Knapp 1200 weltweit.

Utl_files/Bilder von Aktionen und Veranstaltungen/2017/171124_postkartenaktion/DSC01200_b.jpgnd weil dieses Gefühl der Verbundenheit auch für die Soester Waldorfschüler endlich greifbar werden soll, gab es jetzt eine Postkartenaktion. Die Idee: Jede Schule schreibt jeder anderen Schule eine Karte. Oder konkreter: Knapp 1,4 Millionen Postkarten sollen ein unübersehbares Netz der Verbundenheit bilden.

„Meine Karte geht nach Vietnam“

tl_files/Bilder von Aktionen und Veranstaltungen/2017/171124_postkartenaktion/DSC01209_b.jpgIm Festsaal der Soester Waldorfschule geht es ziemlich lebendig zu: Sämtliche Schüler sitzen oder liegen auf dem Boden. Vor ihnen Postkarten, schon versehen mit Adressen. „Ich habe eine Schule in Bologna“, sagt ein Mädchen. „Meine Karte geht nach Vietnam“, ruft ihre Nachbarin. Schon werden Malstifte gezückt und Bilder gemalt: von der eigenen Schule, von der eigenen Familie, manchmal auch die Flagge des Landes, in das die Karte geht. „Ihr dürft malen und schreiben, was Ihr wollt“, sagt Mareike Schmauder, die die Aktion als Lehrerin moderiert. Sie steht ganz vorne, wo die Kinder ihre fertigen Karten in einen großen Briefkasten werfen. Wer will, darf an einer großen Weltkarte eine Nadel einstecken: Dahin, wo er das Land vermutet, in das seine Karte geht. Langsam wird  diese Karte voller, Nadel reiht sich an Nadel. „Wo ist denn Estland?“, ruft ein Junge; dann ist er enttäuscht, weil er so weit oben an der Karte nicht selber seine Nadel einstechen kann.

Rentier und Delfintl_files/Bilder von Aktionen und Veranstaltungen/2017/171124_postkartenaktion/DSC01218_b.jpg

Gleich nebenan liegen die Postkarten, die schon in Soest angekommen sind. Eine ist aus Schweden, zeigt ein Rentier. Eine andere aus Thailand, verziert mit einem Delfin. Geschriebenes steht nicht drauf. „Macht ja auch gar keinen Sinn“, sagt ein Junge, „die haben doch sowieso eine andere Schrift“. Und eine andere Sprache. Also müssen die Bilder sprechen. Auch das, was sich im Inneren der Schüler bildet: Ein weltweites Netz der Verbundenheit. Einsam geht anders.

www.waldorf-100.org/project/

(Text: Jürgen Vogt / Fotos: Elif Freischlad)

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